06. Februar 2018
„Ihre Nieren sowie die Leber und die Bauchspeicheldrüse, mit anderen Worten, wichtige innere Organe, sind schwer geschädigt. Aus dem, was sie berichten, entnehmen wir, dass auch das zentrale Nervensystem bereits beeinträchtigt ist. Möglicherweise auch das Hirn. [...] Die Ergebnisse der toxikologische Untersuchungen sind, nun, bemerkenswert. Diese Werte könnten selbst ein Nilpferd niederstrecken. Das sie mir gegenüber sitzen und zur Arbeit gehen können, verdanken Sie vermutlich der...
26. Januar 2018
Zuallererst möchte ich die Optik des Commendatore kurz in den Vordergrund stellen: Mir ist durchaus klar, dass der Inhalt über die ästhetische Komponenten zu stellen ist, doch was der DuMont Buchverlag (im engeren Sinne das „Designbüro Lübbeke Naumann Thoben, Köln“) hier aus dem Hut gezaubert hat, ist schlichtweg atemberaubend. Fakt ist, dass sich bei dieser Fülle an Novitäten, die Abgrenzung von der Masse als äußerst herausfordernd gestalten dürfte. Da ist es durchaus von...
13. November 2017
Als hätten Cormac McCarthy („Die Straße“), Gerard Donovan („Winter in Maine“) und Daniel Woodrell („Winters Knochen“) gemeinsame Sache gemacht, und diese freche, rotzige, auf sprachlicher Ebene dennoch fein komponierte, moderne „Western-Story“ zu Papier gebracht. Dass es sich hierbei um einen Debütroman handelt, kann man weder erahnen, noch in irgendeiner Weise herauslesen, so professionell, so weitsichtig scheint Tyrell Johnson auf seinen postapokalyptischen Plot eingegangen...
13. November 2017
Max Bronskis ironische, durch und durch satirische Selbstinszinierung einer von der Welt verstoßenen „Person ohne Identität“, beginnt mit dem natürlichsten und zugleich furchtbarsten Ereignis seit es Lebewesen gibt: Mit dem Tod. Eingepfercht in einem grob zusammengezimmerten Sarg, erlangt Bronskis Protagonist „OSKAR“ sein verloren geglaubtes Bewusstsein zurück. Scheintot, desorientiert, ohne Erinnerung steigt er an der nächsten Ampel aus. Sein einziger Hoffnungsschimmer: Die...
13. November 2017
Man muss es gleich zu Beginn hervorheben: Dacia Maraini hat in dieser vielschichtigen Erzählung einen besonderen Ton getroffen, der einerseits tiefgründig, andererseits in gleichem Maße leicht und unbeschwert rüberkommt. Dadurch hebt er sich klar vom Massengeschäft ab und etabliert sich als eigene Spezies seiner Gattung. Außerdem ist es Maraini hervorragend gelungen, sofort (ohne konstruierte Umwege) ins Handlungsgeschehen einzusteigen, ihr schriftstellerisches Niveau über die gesamte...
13. November 2017
Beabsichtigt oder nicht: John Darnielle holt aus diesem - etwas „altmodischen“, bereits von vielen Seiten beleuchteten - Plot, ein unfassbar unterhaltsames „Old-School-Psychodrama“ raus, fügt dem Ganzen einen Hauch „Noir-Krimi“ bei, lässt die stark spürbare Naivität und Leichtsinnigkeit des amerikanischen Hinterwäldler-Daseins der 90er Jahre auf seine agierenden Charaktere überschwappen und interpretiert so manche Handlungskomponente, andersartig, quasi völlig neu. Wenn es...
23. Oktober 2017
Sebastian Fitzek ist seit vielen, vielen Jahren DER Garant für gut konstruierte deutschsprachige Thriller. Kaum einer versteht es so gut wie er, eine große Fanbase aufzubauen, diese recht konstant bei Laune zu halten, und - ich würde sogar meinen - sie auch stets auszubauen. Von der rundum Vermarktung seiner Bücher, über die starke Online-Präsenz vor Release (in Form von Gewinnspielen, interaktive Trailer,...), bis hin zu den überaus sympathischen, humorvollen Lesungen, wird eines ganz...
23. Oktober 2017
Hexen: Es gibt wahrscheinlich kaum ein vergleichbares Mysterium, das in Hinblick auf Ästhetik und Auslegung von Attributionen so viele verschiedene Darstellungen und Intetpretationen zulässt. Waren sie früher noch „kräuterverwertende“, mit Salben hantierende, naturheilkundige Frauen, so werden sie heute als abscheuliche, zurückgezogene Wesen deklariert, meist auf Besen reitend, mit Buckel, Warze und Katze im Schlepptau. Aber auch jene Bilder einer betörenden Schönheit, die der...
21. Oktober 2017
All jene, die Stephen Kings Geschichten kennen,...sie verabscheuen, sie bewundern, oder viellicht sogar lieben, dürften mittlerweile wissen, dass dieser oftmals altmodisch-verkorkst dargestellte US-Bundesstaat Maine zentraler Dreh- und Angelpunkt seiner Handlungen darstellt. Aber nicht nur die wiederkehrende bedrohliche Örtlichkeit zieht eine Vielzahl der Leserschaft in Kings „Spiegelkabinett“, auch die Tatsache, dass seine Figuren vom Leben gezeichnete, missverstandene, naive Geschöpfe...
23. August 2017
Ich wollte meine Rezension auf gar keinen Fall derart gewalttätig beginnen, aber dieses Buch lässt mir keine andere Wahl: Jeff Vandermeer ist ein Wahnsinniger, ein Grenzgänger, ein Seelen-Massakrierer, ein Vorstellungskraft-Vergewaltiger. Und das im allerbesten Sinne. Seine Erzählung (sofern man das Gelesene überhaupt so bezeichnen kann/darf), die sich um zwei undefinierbare Mysterien namens ‚Mord’ und ‚Borne‘ (...klingt ziemlich seltsam, ich weiß...)zu drehen scheint, ist seltsam...

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