Dunkle Wälder, eisige Winde, verängstigte Kinder und eine umherwandernde, todbringende Gestalt mit frostblauen Augen, mit Krallen, die gewaltsamer und endgültiger nicht sein können. Diese mystischen Grundelemente bilden den Kern von Katherine Ardens Debütroman: „Der Bär und die Nachtigall“ Es gibt Märchenadaptionen, die völlig falsch interpretiert werden, jene, dessen Charme durch die neu konzipierte Überlieferung verloren geht, jene, die das Geheimnis um einen Mythos verharmlosen,...

Bitte verzeiht mir den etwas prompten Einstieg in die Buchbesprechung, aber ich muss gleich zu Beginn etwas loswerden: Jess Kidd könnte man auf literarischer Ebene, hinsichtlich der Art und Weise des Storytellings, als vollkommen durchgeknallt bezeichnen, denn ihre Romane sind nichts anderes als ausdrucksstarke, eigenwillige, unvergleichliche (Genre-)Grenzgänger. Ich bin immer wieder verwundert/erstaunt, wie scheinbar mühelos sie die Komponenten und Strukturen einzelner Gattungen...

Viele Autoren stehen vor der - stets präsenten - Problematik, (Haupt-)Figuren entwerfen zu müssen, die eigenständig auftreten, sich authentisch anfühlen, die einzigartig sind, Ecken und Kanten besitzen, die bereit sind, ihre besonderen Merkmale nach außen zu kehren, mit dem Leser sympathisieren und ihn ab der ersten Seite mit Interesse überschütten. Dabei wird oft die essentielleste und naheliegendste Komponenten in der Darstellung völlig vergessen: Dem Charakter eine (Vor-)Geschichte...

Dreiecksbeziehungen sind Loyalitätskiller, lassen Eifersucht aufkeimen, bringen die grundlegenden Wertvorstellungen einer Partnerschaft ins Wanken, und vor allem Lügen, können in dieser Konstellation fatale Folgen nach sich ziehen. Judith Merchant hat die heikle Brisanz dieser Sachlage verstanden und diese in einen verdammt spannenden, authentischen Thriller umgebaut. Authentisch deshalb, weil Merchant ihren ganz, ganz, ganz eignene Stil zu pflegen scheint. Kurze, knappe, auf das Wesentliche...

Wenn Waffengefechte ausbrechen, Krieg an deine Tür klopft, Bomben detonieren, Panik aufkeimt, die Bevölkerung im terroristischen Keim erstickt, dann hat Nicholas Sansbury Smith seine Schriftsteller-Hände mit im Spiel. Seine Stories sind hart, ehrlich, durch und durch kompromisslos, genau so, wie ein gut konzipierter Thriller auszusehen hat. Mal ganz abgesehen davon, dass Sansbury Smith hier einen mehr als hervorragende, nie dagewesene Dystopie-Story aus dem Boden gestampft hat, die...

Wie häufig wurde dieses vollkommen toterzählte, ausgeschlachtete Exorzistenthema bereits in visueller Aufbereitung produzuert? Meiner Meinung nach viel zu oft. VIEL! ZU! OFT! Kopiert, verändert, neu interpretiert, modernisiert, unglaubwürdig überzeichnet, demontiert, mit Händen und Füßen getreten. Doch bis auf wenige Ausnahmen („Der letzte Exorzismus“ - Eli Roth), wurde das 1973 entworfene Drehbuch von William Peter Blatty nie derart sauber angepasst, dass es mit der Originalfassung...

Wer ist/war Madame Tussaud? Schon klar, jeder kennt ihr (welt-)berühmtes Wachsfigurenkabinett, aber welche Person verbirgt sich hinter der Maskerade? Wer ist diese mysteriöse Frau, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, jede erdenkliche, elementare, tot oder lebendige Persönlichkeit in Wachs zu verwandeln? Und warum hat sie das überhaupt getan, was waren Ihre Beweggründe? Jux und Tollerei? Oder steckt möglicherweise ein manifester Plan dahinter? Es ist wirklich schön zu erleben, wenn im...

Zuallererst, bevor wir in die Materie dieses Titels einsteigen, ist es mir ein wahnsinnig großes Anliegen, Susan Hill auf ein erhabenes Podest zu stellen: Für mich, ist sie das wohl Wichtigste Exportgut Großbritanniens, vor allem ihre Genre-Zunft betreffend. Ihre Romane drohen stets vor (inhaltlicher & sprachlicher) Genialität und atmosphärischer Detailverliebtheit überzulaufen, sie schafft es, trotz kompakter Erzählweise, unfassbar viel Tiefe entstehen zu lassen und hat die...

„Tief durchatmen“, das ist die Devise. Ganz klar, denn die emotionale Achterbahnfahrt, die der anonymisierte Autor hier für den Leser vorgesehen hat, trifft wahrlich ins Schwarze. Hier werden Wörter/Sätze nicht etwa dazu verschwendet, dem Publikum eine literarische Scheinwelt vorzugaukeln, sondern den realen Kern des Bösen aufs Silbertablett zu hieven. Bewusst. Gekonnt. Eingehend. Und wo liegt - wie schon so oft - der Ursprung allen Übels? Richtig, in der eigenen verkorksten Kindheit....

Um auf knapp 90 Buchseiten eine anmutige, ernstzunehmende, lebendige und authentische Ghost-Story entstehen lassen zu können, braucht man - in erster Linie - einen punktgenau strukturierten Plan, ein funktionierendes Konzept, Charaktere, die diesen Kurztrip mittragen, Nerven aus Drahtseile, Überwindung, jede Menge Mut, und ein extrem übersteigertes Selbstbewusstsein. Mann muss entweder vollkommen den Verstand verloren haben, der eigenen verkorksten Selbsteinschätzung unterliegen, oder...

Mehr anzeigen