Wo soll ich hier bloß beginnen? Entweder bei der völlig seltsamen Konfusion, die Piranesi bei mir - in positiver wie negativer Instanz - hervorgerufen hat. Oder wir starten mit der (auch wenn es gut gemeint war) grausamen Pronomen-Vergewaltigung, die sich durch das gesamte Werk hindurchzieht. Mit einem Wort: abartig! Aber ich greife schon wieder vor. Lasst uns doch erst einmal mit dem Inhalt starten: Piranesi tritt als eine höchst selstame, völlig abstruse Figur in Erscheinung, die einer...

„Doch auch wenn diese Geschichten nicht den Tatsachen entsprechen, so helfen sie uns doch, die Leute zu verstehen, die sie verbreiten. Was war Ihnen wichtig, wovor fürchteten sie sich? Geistergeschichten sind ein lebendiger und maßgeblicher Teil der regionalen Kultur.“ Bevor ich mit dem Schreiben einer neuen Rezension beginne, versuche ich zuerst sämtliche Leserstimmen im Netz aufzugreifen, um aussagekräftige Ersteindrücke sammeln zu können. Neben vielen bekannten Community-Portalen,...

Was macht ein sensibler, sentimentaler Killer auf der Durchreise? Morden und Lieben natürlich. Und wie es sich für einen solchen Kavalier gehört, hinterlässt er auf seinem Streifzug nicht nur Rosenblätter, sondern auch eine kräftige Portion Blut. Alles kein Problem, wenn da nicht dieser grässliche Liebeskummer wäre, der Herzen und Knochen gleichermaßen bricht. Aber der Berufsstand eines Mörders verlangt eben nach einer eisernen Regel, die man niemals, niemals, niemals, niemals,...

Hand aufs Herz: Ich habe in den letzten Jahren bereits einige TrueCrime-Titel gelesen, die ich schlichtweg grausam fand (All jene ausgenommen, die ich nicht gelesen habe und die mir unter dem Radar durchgerutscht sind!): Kein fundiertes Wissen. Zu belanglos. Langweilig. Monoton. Einheitsbrei. Wiederkehrend. Oft kopiert, nie erreicht. Zu wenig Kreativität in der Umsetzung. Zu wenig Unterhaltung. Fade. Blabla. Doch dann hat sich mit dem ET von „Ich ging in die Dunkelheit“ ein grelles,...

Peitschende Winde. Eisige Kälte. Ewig andauernde Wintermonate. Drei Schwestern auf der Suche nach dem „entführten“ Bruder. So lässt sich der Plot von Kiran Millwood Hargraves in aller Kürze zusammenfassen. Doch was so simpel, so reduziert, beinahe primitiv anmutet, entpuppt sich schnell als strukturierter, emotionaler Abenteuerroman, als Fabel, die einerseits mit den Ängsten der Charakteren spielt, andererseits zeigt, was Menschen im Verbund imstande sind zu leisten. Getrieben von der...

Eigentlich klingt die perfekte Rezeptur für einen unterhaltsamen History-Crime Titel völlig logisch und simpel gestrickt: Man nehme den erzählerischen Spirit, den vorzeigbaren Handlungsaufbau, die talentierte Schreibe, die hervorragende Arbeit in der Charakterisierung, das besondere Auge für Gegenenheiten und Gepflogenheiten eines Christopher Brookmyre, gibt eine kräftige Portion der Imaginationskraft, des Einfallsreichtums einer Marisa Haetzman (Ehefrau) hinzu und kombiniert das Ganze mit...

Anthony Horowitz ist in dreierlei Hinsicht ein ganz besonderer Autor: Er hat den Kern eines kultivierten, „altmodischen“ Kriminalromanes verinnerlicht wie kein Zweiter, weiß über die Schwierigkeit des Handlungsaufbaus bescheid, kennt die trickreichen Finessen der Charakterenwicklung, die attitütenhaften Gepflogenheiten des gehobenen Gesellschaftskreises, das nonchalante Ambiente, nach dem eben jenes Genre verlangt, und er weiß zuoberst, was es bedeutet, sich mit den unerreichten...

Ende des Spätmittelalters. Beginn der Renaissance. Gewehre und Kanonen kommen erstmalig zum Einsatz. Die Inquisition hält Einzug. Die Verfolgung von Ketzern, Häretikern, Andersgläubigen und Hexen stehen an der Tagesordnung. Jeanne d’Arc führt die französischen Truppen zu einem Sieg gegen die Engländer im Hundertjährigen Krieg. Konstantinopel fällt. Johannes Gensfleisch, alias Gutenberg erfindet den Buchdruck. Christoph Kolumbus entdeckt Amerika. Vasco da Gama erreicht Indien. Die...

Schwarzer Background, neonrote Lettern, dunkler Buchschnitt, einprägsame Headline: „Von Herzen“. Genau SO stelle ich mir die über der Eckerds Bar schimmernde Reklamatafel vor, die ahnungslose Besucher einlädt, anlockt, verköstigt, ermordet. Was mir zu Beginn - bei Veröffentlichung der Atrium Programmvorschau - als Lovestory suggeriert wurde, entpuppt sich hinterher als messerscharfer, giftiger Thriller. Hier darf jeder sein, wie er ist. Melancholische, neurotische, hysterische...

Lasst mich direkt auf den Zug der Goodreads.com-Redaktion aufspringen und das Ganze um drei rhetorische Fragen erweitern: Wie beschreibt man ein Buch wie Westlake Soul? Wie ist es möglich, jemanden einen Text näher zu bringen, den man selbst kaum verarbeiten und in Worte fassen kann? Wie kann man das beim Lesen entstandene Gefühl - in Bezug auf diese metaphysische Story - so aufschreiben und transportieren, dass jenes emotionale Bild entsteht, das sich mir persönlich aufgedrängt hat? Eines...

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