FILMKRITIK: „AUSLÖSCHUNG“ (Science Fiction/Horror - 2018)



Für mich persönlich zählt Alex Garland zu den mutigsten, innovativsten und gleichzeitig auch konstantesten Regisseuren seiner Zeit. Sein filmisches Repertoire hat eine so enorm-vielfältige Bandbreite, die sich von freidenkerischen, aufbäumenden KIs, zu One-Way-Tickets im Endzeit-Schimmer, bis hin zum philosophischen Stalking-Drama auswachsen. Und seine Erfolgsquote kann sich noch dazu mehr als sehen lassen: Bislang hat er bei drei Filmproduktionen Regie geführt (Die Arbeiten als Produzent und Drehbuchautor mal außen vor gelassen), drei inhaltlich herausragende, strukturell perfekt inszenierte Werke abgeliefert, die nicht nur unverschämt gut aussehen, sondern auch auf erzählerischer Ebene wahnsinnig gut funktionieren. Ich nehme euch also gleich vorweg: Egal, ob „Ex Machina“, „Annihilation“ (dt. „Auslöschung“ - welch dümmlicher deutscher Titel) oder „Men“, Garland hat in sämtlichen Belangen, egal wo man hinsieht, drei kleine „Meisterwerke“ konzipiert. Müsste ich allerdings einen Film herauspicken, der mir am „schwächsten“ erscheint - und das ist Meckern auf ganz hohem Niveau - dann wäre es wahrscheinlich „Annihilation“. Warum?

 

Mir werden hier eindeutig zu viele gesellschaftlich-existenzielle, humanitäre Themen aufgerissen, die es unter dem Deckmantel einer Science-Fiction-Story wirklich nicht gebraucht hätte. Außerdem kam mir das Handlungskonstrukt schlussendlich viel zu konzeptionell angelegt vor, manchmal etwas zu parapsychologisch, die es dem Film einfach sauschwer machen, von einem großen Kinopublikum gemocht zu werden. Nicht falsch verstehen: Mir persönlich gefällt diese Art des Storytellings sehr und ich kann auch gut Komponenten ausblenden/umfunktionieren, die meiner Meinung nach etwas deplatziert wurden, aber massentauglich ist das Ganze mit Sicherheit nicht. Du kannst dem Standard-Kinopublikum keinen Science-Fiction-Action-Kracher vorsetzen und dann fünf Ebenen tiefer eine zurückgenommene Story über Krebsdiagnostik und die bevorstehende Inkubation der Erde erzählen. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, warum es - zumindest im deutschsprachigen Raum - keinen groß angelegten, flächendeckenden Kinostart für „Annihilation“ gab. Meine Devise: Erzähl diese Thematik gerne unter einem anderen Vorwand, aber lass dieses futuristische Endzeit-Setting und die ganze Ballerei da raus. Zwei Komponenten, die dem Film - hinsichtlich der Qualität - echt gutgetan haben: 1. Das unfassbar sehenswerte Color-Grading, die Farbsättigung, bzw. die optische Ausführung im Allgemeinen. 2. Das Wechselspiel zwischen Score und selbstständig agierenden Soundelementen: Ernsthaft. Da bekommt man als Zuseher echt was auf die Ohren, was mich eigentlich umso mehr ärgert, dass ich "Annihilation" nicht im Kino genießen konnte. Na ja. Jedenfalls: Vollkommen egal, wie Alex Garland seine Erzählung in „Annihilation“ anlegt, wie er sie bildlich darstellt (aussehen tut das Ganze sowieso umwerfend), völlig irrelevant, wie tief er seine moralische Botschaft verschachtelt, alleine schon für den Unterhaltungswert des Films, gibt’s von meiner Seite, 7 starke Punkte.

 

Inhaltsangabe:

 

Vom Regisseur von Ex Machina kommt einer der am Kritikern gefeierten Thriller des Jahres. Biologe und ehemalige Soldatin Lena (Natalie Portman) ist schockiert, als ihr vermisster Ehemann (Oscar Isaac) in der Nähe des Todes aus einer geheimen Mission in The Shimmer kommt, eine geheimnisvolle Quarantäne-Zone, aus der keiner jemals zurückgekehrt ist. Nun müssen Lena und ihr Elite-Team in eine schöne, tödliche Welt voller mutierter Landschaften und Kreaturen eintreten, um zu entdecken, wie man das wachsende Phänomen stoppt, das alles Leben auf der Erde bedroht. Erleben Sie diese optisch beeindruckende Folie, die Sie sicher am Rand Ihres Sitzes lassen wird...

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