FILMKRITIK: „THE PURGE“ (Horror/Thriller - 2013)



Zuerst habe ich einen kurzen Faktencheck für euch: Stell dir vor, du hast noch läppische 62 Minuten Zeit, bevor das große, landesweite „Purge-Festival“ beginnt. Leute, wir reden hier von einer ganz besonderen Nacht, einmal im Jahr, in der du dich all deiner personifizierten Probleme entledigen darfst, ohne dass du am nächsten Morgen dafür belangt wirst. Soll heißen: Du kannst deinem Nachbarn mal kräftig aufs Maul hauen, durch die City ziehen und wahllos Leute attackieren oder beispielsweise auch deinem Chef mal ordentlich die Meinung geigen. (In körperlicher Hinsicht versteht sich.)


Jetzt kommt der springende Punkt. Normalerweise gibt es in so einem speziellen Fall drei grundsätzliche Lager: 1.: Diejenigen, die sich monatelang, akribisch darauf vorbereiten, alles wegzuflexen, was da draußen auf offener Straße herumrennt (und das auf die perfideste Art und Weise natürlich) und die für einen kurzen Zeitraum, die Welt chaotisch aus den Angeln heben bzw. deren Umfeld in absolute Anarchie stürzen. 2.: Jene Personen, die den Purge dafür nutzen, den eigenen Rachegelüsten nachzugeben, eine offene Rechnung zu begleichen und sich von nervigen Altlasten befreien. Und 3.: Bürger/Bürgerinnen, die um ihr Leben fürchten, denen keine plötzliche auftretende Mordlust überfällt und generell alles dafür tun, sich in den eigenen vier Wänden (oder wo auch immer) zu verschanzen/zu verbarrikadieren. UND DANN gibt es auch noch unsere Hauptfiguren, die Familie Sandine, die 62 Minuten vor dem Purge nichts Besseres zu tun hat, als die Blumen auf der Veranda neu zu arrangieren, ein leckeres Abendmahl zuzubereiten, am Esstisch Konversation zu machen, einen netten Plausch mit den Nachbarn abzuhalten und sich - so scheint es jedenfalls - keinerlei Sorgen zu machen, dass sie demnächst eventuell abgemurkst werden könnten. Ethan Hawkes Figur ist auch noch im Security-Business tätig, verkauft den Nachbarn-Lackaffen von nebenan Sicherheitssysteme für schweineteures Geld, wohnt im größten Palast in the Hood und verschwendet nicht einen einzigen Gedanken daran, dass er eventuell Feinde aus der Nachbarschaft haben könnte? Ach ja: Abgeriegelt wird dann natürlich erst 5 Minuten vor dem Purge-Beginn, klar, denn es kann sich ja schließlich vorher niemand zuhause einschleichen und das Ganze dann infiltrieren. What??? Euer verdammter Ernst??? Nach 10 Minuten wusste ich also: Das Drehbuch ist absoluter SCHROTT und das ist leider nicht die einzige schlechte Nachricht. Der gesamte Cast harmoniert einfach nicht, wirkt behäbig ohne Ende, lässt keine einzige emotionale Komponente rüberwachsen und zeigt sich schauspielerisch von der oftmals schlechtesten Seite. Die Figuren agieren derart dümmlich, dass es einer Qual gleichkommt, sich das anzusehen. Die Dialoge sind hohl, stumpfsinnig und haben überhaupt keine Substanz. Und dann auch noch dieser immer heftiger anschwellende 0815-Sound, der so klischeehaft die Suspense-Momente unterstrichen hat, dass mir auch jetzt noch übel wird, wenn ich nur daran denke.


Ganz ehrlich: Bei so vielen Negativaspekten und Kompromissen, die ich eingehen muss, um diesen Film für mich irgendwie erträglicher zu gestalten, verliere ich KOMPLETT die Lust am Horror-Actionthriller-Kino. Danke Blumhouse! 


Inhaltsangabe:


Die Kriminalität im zukunftsnahen Amerika lässt sich nicht mehr eindämmen und die Gefängnisse sind gnadenlos überfüllt. Um die Lage in den Griff zu bekommen steht der alljährliche Purge-Day kurz bevor: In der zwölfstündigen Generalamnestie bleiben alle illegalen Aktivitäten straffrei - Mord eingeschlossen. Um der ausbrechenden Anarchie zu entfliehen, verbarrikadiert sich Familie Sandine (Ethan Hawke, Lena Headey) in den eigenen vier Wänden. Alles scheint sicher zu sein, bis plötzlich ein Fremder Unterschlupf in ihrem Haus findet. Die Situation gerät außer Kontrolle und eine Kettenreaktion schrecklicher Ereignisse wird das Leben der Familie für immer verändern…


James DeMonaco inszeniert mit "The Purge – Die Säuberung" einen kompromisslosen und spannungsgeladenen Survival-Thriller.

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