FILMKRITIK: „THE BLACK PHONE“ (Thriller/Drama - 2021)



Eine verdammt blöde Angewohnheit, die sich über Jahre hinweg in meinem Hirn unauslöschbar manifestiert hat, ist die Tatsache, dass ich mir zu jedem Film, im Vorfeld schon, viel zu viele Gedanken mache. Und wenn ich auch noch von einem Blumhouse-Titel erfahre, der den von mir geliebten Ethan Hawke als Antagonisten-Zugpferd nutzt, ihn als maskierten „The Grabber“ positioniert und dann auch noch Scott Derrickson („Sinister“) auf diesen packenden Grundstoff loslässt, damit er ihn so atmosphärisch und mitreißend wie nur möglich auf Film bannt, dann - nehmt es mir nicht übel - ist meine Erwartungshaltung unermesslich. Damit scheint auch vorab klar zu sein: „THE BLACK PHONE“ kann in diesem Fall eigentlich nur enttäuschen, oder? Richtig, und das tut er leider auch über weite Strecken. Beginnen wir aber erst einmal mit den zwei positiven Aspekten, die mir direkt aufgefallen sind: 1. Die Soundkulisse: Wie es auch schon bei Sinister der Fall war, setzt Derrickson wieder auf ein prägnantes Geräuschensemble, das zwar nicht so extrem gewaltsam daherkommt wie in Sinister beispielsweise, aber die Szenen wirklich gut unterstreicht. 2. Der Auftritt von Ethan Hawke als Antagonist: Obwohl man ihn erst am Ende in voller Pracht zu Gesicht bekommt, trägt er die Handlung und führt durch dieses Kidnapping-Szenario. 


Jetzt kommen wir zum schwerwiegenderen Teil, nämlich zu den Schwächen: Joe Hill liefert hier ja die literarische Vorlage in Form einer Kurzgeschichte, die ich zugegebenermaßen nicht gelesen habe. Aber völlig unabhängig davon, greift „THE BLACK PHONE“ derart tief in die „Thriller-Klischeeschublade“, dass mir sogar jetzt noch kotzübel davon ist. Ohne Übertreibung: In den ersten 30 Minuten, versucht man -  mit Gewalt -, ein „Drama“ vom Zaun zu brechen, das alle erdenklichen Stereotypen beheimatet, wie zum Beispiel diesen gewalttätigen Vater, der seine Kinder einerseits züchtigt, andererseits dann doch so tut, als wäre er der verständnisvollste Kerl auf Gottes Erde. Oder auch dieses kleine Mädchen, die Schwester des Protagonisten, die eine völlig unnötige, austauschbare Rolle verkörpert und die mit ihren angeblichen Traumdeutungen, mein persönliches Nervenkostüm ganz schön ausgereizt hat. Hinzukommt, dass die schauspielerische Leistung von den oben genannten Personen, auch nicht gerade oscarreif war.


Doch der wesentlichste Faktor ist: Mir hat die Erzählstruktur des Films, die sogenannte DNA, einfach nicht gefallen, denn: um als emotionales Drama wahrgenommen zu werden, bewegt sich der Film - meiner Meinung nach - viel zu lange an der Oberfläche, lässt bei den Figuren keinerlei Tiefe zu und spart jegliches Background-Wissen der Charaktere komplett aus. Auch die Horror-typischen Elemente, auf die ich im Vorfeld ganz stark gehofft hatte, sind schlichtweg nicht aufgetaucht. Die einzige Ebene, die ein klein wenig Substanz abgesondert und somit auch als Handlungsstrang per se funktioniert hat (obwohl selbst hier relativ nüchtern und emotionslos erzählt wird), war die Kidnapping-Story. Die konnte mich im Endeffekt doch ganz gut unterhalten, sodass ich bereit bin, von einer absolut katastrophalen Bewertung abzusehen. Betrachtet man den Film allerdings als ganzheitliches Projekt, so bleibt er mir als herbe Enttäuschung in Erinnerung!


Inhaltsangabe:


Der neue Psychothriller von Blumhouse zeigt den mehrfach für einen Oscar® nominierten Ethan Hawke in der verstörendsten Rolle seiner Karriere. Unter der Regie von Scott Derrickson (Sinister - Wenn du ihn siehst, bist du schon verloren; Doctor Strange) spielt er einen sadistischen Killer, der den 13-jährigen Finney entführt und in einen schalldichten Kellerraum sperrt. Der schüchterne, aber clevere Junge erkennt schnell, das ihm Schreien hier gar nichts nützt. Doch als plötzlich das kaputte alte Telefon an der Wand klingelt, entdeckt er, dass er die Stimmen früherer Opfer des Killers hören kann. Und diese wollen unbedingt verhindern, dass Finney dasselbe durchmacht wie sie.

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