Rezension: "Von Herzen“ von Peter Spans

Schwarzer Background, neonrote Lettern, dunkler Buchschnitt, einprägsame Headline: „Von Herzen“. Genau SO stelle ich mir die über der Eckerds Bar schimmernde Reklamatafel vor, die ahnungslose Besucher einlädt, anlockt, verköstigt, ermordet.

Was mir zu Beginn - bei Veröffentlichung der Atrium Programmvorschau - als Lovestory suggeriert wurde, entpuppt sich hinterher als messerscharfer, giftiger Thriller. Hier darf jeder sein, wie er ist. Melancholische, neurotische, hysterische „Opfer“ sind jederzeit willkommen. Zwar lässt die Optik zunächst eine eher harmlos gestrickte Liaison zwischen Leser und Handlung vermuten, auf den zweiten Blick aber entpuppt sich alsbald das wahre Wesen der Geschichte: Sie ist eine - im besten Sinne - hinterhältige, kranke Bitch. Eine keulenschwingende Bitch, die hoffnungslosen Fällen die Schädeldecke demoliert. Totsicher. Garantiert.


Eines ist klar: Peter Spans hat der Story den passenden, finsteren Touch verpasst. Er hat der Handlung ab der allerersten Seite, pechschwarzen, versifften Matsch durch die dreckigen Venen gepumpt, dass es bloß eine Frage der Zeit war, bis die ganze Nummer brutal eskaliert. Das ‚ob‘ stand hier von Anfang an nicht zur Debatte! Merkwürdig ist allerdings, dass ich trotz dieser Lage, dieser unschönen Entwicklung der Handlung, oftmals herzhaft lachen musste! Entweder habe ich einen kranken Sinn für Humor, oder Peters Spans ist im Nebenberuf Komiker. Ein bitterböser Komiker. Immerhin.


Zugegeben: Der Plot an sich klingt extrem unglaubwürdig, etwas konstruiert und beinahe banal. Denn: Warum sollte ein Polizist seinen „ehrbaren“ Job an den Nagel hängen, um in der nächstbesten Scheißbar als Kellner zu arbeiten/enden? Antwort: Weil er mit dem Leben bereits abgeschlossen hat. Diese alles entscheidende Schlüsselszene (kein Spoiler, da bereits in der Inhaltsangabe!) bringt den bekanntlichen Stein ins Rollen, sorgt dafür, dass die Eskalation unvermeidbar wird und verpasst der Handlung, den so imens wichtigen Drive. Klingt nach Floskeln? Ist aber so, verdammt!!! Ich meine: Stellt euch doch mal vor, ihr würdet jedem einzelnen Individuum dem ihr begegnet, von den Augen ablesen können, ob er Talentfreiheit, Unzufriedenheit, oder gar Sinnhaftigkeit im Leben besitzt/verspürt. Kurzum: Der „Selbstmordgedanke“ prangt alarmierend auf der Stirn. Was würdet ihr tun? Zu Hilfe eilen? Ignorieren? Agieren? Um ehrlich zu sein: Keine Ahnung.

In Eckerts Fall ist es eine vom Großvater weitervererbte Keule mit der er hoffnungslosen Fällen - natürlich ungefragt - die Schädeldecke einballert! Ziemlich unschön, aber: Eckert hat den perfekten Platz dafür, die beste Gelegenheit und natürlich zuoberst: Gottes Segen. Und wir wissen: Wer Gottes Segen hat, der darf tun und lassen was er möchte, auch wenn sich bei einem Schlag auf den Hinterkopf die Gehirnmasse auf die dahinter liegende Mauer verteilt!


Jetzt lasst mich doch mal ein paar Worte über den etwas eigenwilligen Stil von Peter Spans verlieren: Klar, dieses völlig unkonventionelle, von Klischees und Normen losgelöste, recht stupide „Geschreibsel“ wird nicht bei jedermann Anklang finden, das steht fest. ABER: Thriller gibt es wahrlich wie Sand am Meer. Genau aus diesem Grund finde ich auch diese klare Abgrenzung in puncto Stil und Zeichnung der Charaktere überaus erfrischend.


Fazit:


In Eckerts „Von Herzen“ werden Ansätze einer möglicherweise vernünftigen Moral direkt über Bord geworfen, im Keim erstickt, ja, man könnte sagen: durch den Fleischwolf gedreht. Dabei bewegt sich Peter Spans zwischen bitterböser Ironie und tiefschwarzer Humoristik, ohne aber dabei die Kontrolle über das Schriftbild, oder gar den Blick für die Charakterzeichnung zu verlieren.


Für mich: Einer der ganz großen Player im Business!


Inhaltsangabe:


Von Herzen ist der erste Thriller des Hamburger Filmemachers Peter Spans. Er beleuchtet menschliche Abgründe, Randfigu- ren der Gesellschaft und die Tatsache, dass ein stark ausge- prägtes Helfersyndrom nicht immer nur Positives bedeutet.

In Eckerds Bar darf jeder sein, wie er ist. Das ›Von Herzen‹ zieht melancholische, neurotische und hysterische Gäste an wie die Mot- ten das Licht, denn Eckerd hat ein feines Gespür dafür, was sie brauchen. Eines Abends verschlägt es auch den suspendierten Polizisten Paul dorthin. Eigentlich hat er vor, sich das Leben zu nehmen, aber Eckerd macht ihn kurzerhand zu seinem Kellner. Paul findet neue Freunde und neuen Mut, doch dann bekommt er mit, was im ›Von Herzen‹ wirklich vor sich geht. Eckerd hilft den besonders hoffnungslosen Fällen auf ganz spezielle Art: Er erlöst sie mit der Keule seines Großvaters.

Von Herzen ist ein Thriller, der die Absurditäten und Abgründe der Menschen vereint und aufzeigt, dass das Schlimmste, was sie einander antun können, gerade dann geschieht, wenn sie meinen, das Beste füreinander zu wollen.

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