Rezension: "Ruhet in Friedberg“ von Rudolf Ruschel

Es gibt über unser wunderschönes Österreich (und über die dort beheimatete Bevölkerung) unzählige Vorurteile, die ich eine verdammt lange Zeit versucht habe, vehement zu verteidigen und zu widerlegen. Vollkommen erfolglos versteht sich, denn sind gut gemeinte Aversionen erst einmal in Erscheinung getreten, lassen sie sich nicht so einfach beseitigen.

Und dann kommt plötzlich ein gewisser Rudolf Ruschel um die Ecke - der noch dazu den (un)vorteilhaftesten Ösi-Namen beherbergt -, feuert gerhörig aus der Klischeekanone und rückt den liebenvollen, unbedachten, konfliktscheuen, nichts Böses wollenden Ösi in ein katastrophal-lächerliches, patschertes Licht. Ganz ehrlich? ICH LIEBE ES! Aber immer der Reihe nach...


Hier sind erst mal 10 Dinge, die man über den Ösi und sein Ösi-Land zu wissen glaubt, damit hausieren geht, aber in Wirklichkeit vollkommen daneben liegt:


Wir essen nicht jeden Tag Wiener Schnitzel und knallen uns die Birne bei einem gepflegten Apres-Ski-Bierchen weg! NEIN!


Nicht jeder Österreicher jodelt! (Zum Verständnis: Jodeln ist der grausame Sing-Schrei-Gesang, der so klingt, als hätte man sich soeben mit dem Eisenhammer schwer verletzt! Lt. Wikipedia: „Jodeln ist Singen ohne Text auf sinnfreie Silben“ - Die Betonung liegt hier wohl auf ‚sinnfrei‘)


Wir tragen nicht zu jeder erdenklichen Tages-/Nachtzeit Lederhosen, Dirndln, Trachtenanzüge und erziehen jeden unserer Sprösslinge zu potenzielle Milchkuhbauern!


Auch wenn es unseren Nachbarn bekannt sein sollte, hier nochmal eine kleine Gedankenstütze für die außereuropäischen Kollegen: WIR HABEN KEINE KÄNGURUS UND KEINE KOALAS!!! AUSTRIA ist nicht AUSTRALIA! Kaum zu glauben, ist aber tatsächlich so! 😂😂😂


Nicht jeder Österreicher hat einen Wiener-Dialekt! (Den finde ich mindestens gleich schrecklich wie ihr! Vermutlich!)


Nicht alle Radiosender spielen AUSNAHMSLOS (13 Stunden täglich) Mozart und DJ Ötzi!!!


Wir leben nicht nur in Dorfgemeinschaften, die in 3.000 Metern Seehöhe angesiedelt sind und die treibendste Kraft das Wirtshaus ums Eck zu sein scheint. Bei uns gibt es tatsächlich auch Täler, gut befahrene Straßen, Städte, Einkaufsläden und Diskotheken!


Wir Menschen aus der Steiermark (Bundesland) sind nicht nur auf diese beiden ganz bestimmten Dinge stolz: Kernöl und Arnold Schwarzenegger. Da gibt es durchaus noch andere Vorzüge. (Eines haben diese beiden Kuriositäten aber gemeinsam: Kommst du erst mal mit beiden in Berührung, so lässt sich das leider nicht mehr abwaschen! 😂)


Ja, ja, ja, die 9mm Glock haben wir auch zu verantworten!


Auch wir waren, und sind bis heute nicht in der Lage, Falco-Songtext-Passagen zu dechiffrieren!


So, das wäre dann mal geklärt. Und jetzt kommen wir zu „Ruhet in Friedberg“: Zwischen „So ein Oasch!“ und „Du kaunnst ma in Buckl owirutschn“ befinden sich in Rufold Ruschels Debütroman, jede Menge Ösi-Stil-Finessen, schwarzhumorige Elemente, aber auch viele herzensgute Charaktere, die ganz perfekt - und das meine ich im allerpositivsten Sinne - in die unterste Klischeeschublade passen:


Ohne Umschweife: Ich habe mich sensationell unterhalten gefühlt und lege euch gerade deshalb, dieses bitterböse Büchlein ans Herz!


Inhaltsangabe:


Österreich, Ende der 90er. Im Provinznest Friedberg, Heimat ewig gestriger Saufbrüder und anderer dubioser Gestalten, verplempern die unverbesserlichen Schlawiner Andi und Fipsi ihre Jugend. Doch ihr ruhiger Alltag als Aushilfen beim Bestatter endet jäh, als ein Bekannter zu Grabe getragen wird und sein Sarg scheinbar das Doppelte wiegt. Andi schöpft Verdacht: Will einer der Kollegen da etwas – oder jemanden – verschwinden lassen? Die Spur führt schnell zum cholerischen Vorarbeiter Macho – die Wahrheit ist aber weit schlimmer. Und kaum hat sich das ganze Ausmaß des Schlamassels gezeigt, häufen sich die Leichen und die Bestatter bekommen alle Hände voll zu tun… 

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