Rezension: "Anna“ von Niccolo Ammaniti

Die ‚London Review of Books‘ meint über Niccolo Ammanitis Bestseller - »Anna hat so ziemlich alles, was man von einem post-apokalyptischen Abenteuerroman erwarten kann.« - und trifft damit voll ins Schwarze. Denn egal aus welchem Blickwinkel man diesen kraftvollen, ungeschönten Endzeitroman betrachtet, er hebt sich durch die Charakterisierung seiner Protagonistin ganz klar vom Rest der „Konkurrenz“ ab. Aber nicht nur die Figuren machen in diesem Szenario einen ganz wunderbaren Eindruck, auch die Erzählstruktur des Romans (quasi der Aufbau einzelner Handlungskomponenten) ist mehr als vorzeigbar. Während viele andere Dystopien krampfhaft versuchen, emotionale, starke Endzeitgeschichten zu immitieren und meines Erachtens dabei kläglich scheitern, hat es sich Niccolo Ammaniti scheinbar zur Aufgabe gemacht, keinen hochtrabenden, poetischen Survival-Guide zu entwickeln, sondern Hollywood-Klischees, gut ausgearbeitete Kampfszenen und jede Menge Emotionen - vor einer wahnsinnig toller Kulisse -, in eine klassische „One-Man-Show“ zu verwandeln.


Völlig anders verhält sich diese „Anna“:


Billige Effekte und kitschige Dialoge weden hier eiskalt von der Karte gestrichen. Vielmehr sind es die Momente, die Umstände der Katastrophe, die der Geschichte den perfekten Grundschliff verpassen. Selbiges habe ich bisher lediglich bei Cormac McCarthy („Die Straße“) und Emily St. John Mandel („Das Licht der letzten Tage“) gesehen, die ich euch außerdem wärmstens ans Herz legen kann. Doch diese ruhigen Parts, werden durch knappe Actionszenen die sich


Obwohl diese auf den Covern angeführten, meist hochtrabenden Kurzkritiken wenig Aussagekraft besitzen, möchte ich dennoch eine ganz besonders hervorheben, da ich glaube, dass sie die Tragweite der Erzählung gut widerspiegelt:


»Mutiges kompromissloses Schreiben [...] Ein grausames, aber auch bewegendes post- apokalyptisches Werk, das in einer Welt spielt, in der alle Erwachsenen ausgelöscht wurden. An Goldings Herr der Fliegen oder Cormac McCarthys Die Straße erinnernd, ist es mit so viel Herz und Mitgefühl für seine notgeplagten Helden geschrieben, dass man nicht anders kann, als mitten hineingezogen zu werden und mit ihnen mitzufiebern. Fesselnde und bewegende Lektüre.« (Big Issue)


Fazit:


Noccolo Ammanitis „Anna“ ist eine in der „Wüste“ Siziliens ausgesetzte, moderne Heldin, die überhaupt keine sein will, im Laufe der Geschichte aber eine werden muss. Für ihren jüngeren Bruder, für sich selbst und für eine verlassene Welt, in der „Kinder an die Macht“ keine leere Floskel, sondern bitterer Ernst bedeutet. Neben gut gesetzen Spannungselementen, einem starken Setting und einer noch stärkeren Hauptfigur, haben mich die Beantwortungen der eigentlichen Kernfragen der Geschichte überzeugt: „Was passiert, wenn es keine Erwachsenen, keine Oberhand, keine Regeln, keine Disziplin, keine Erfahrungswerte mehr gibt? Sind Kinder, denen man sich selbst überlässt, überhaupt überlebensfähig? Welche Rolle spielen die fehlenden Instinkte von Mutter und Vater? Wer ist in dieser Welt für  die Weitergabe der Werte verantwortlich/zuständig?


All diese Fragen hat er zu einem unverbesserlichen Gesamtbild zusammengebaut, ehrlich, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, hart und trocken, wie sich eine Dystopie eben anzufühlen hat.


Ganz klare Empfehlung!


Inhaltsangabe:


DAS LEBEN GEHÖRT UNS NICHT, ES LÄUFT DURCH UNS HINDURCH.


Der neue Roman vom Autor des Weltbestsellers Ich habe keine Angst

Von der Financial Times zu einem der »Best Books of 2017« gewählt und stand monatelang auf der italienischen Bestsellerliste.

 

Vier Jahre ist es her, dass der Virus kam und alle Erwachsenen tötete. Mittlerweile gibt es keine Elektrizität mehr, die Wasser- und Lebensmittelvorräte gehen zu Ende. Brände haben gewütet und von einem einst blühenden Sizilien eine gespenstische Wüstenlandschaft hinterlassen. In dieser Welt lebt die dreizehnjährige Anna mit ihrem kleinen Bruder in einem Haus im Wald und versucht mit allen Mitteln, ihn vor den Gefahren des Lebens draußen zu bewahren. Doch Anna weiß: Früher oder später muss sie mit ihrem Bruder ihre alte Welt verlassen, um woanders eine neue zu finden.  Anna ist ein von der ersten Seite an fesselnder Abenteuerroman und gleichzeitig eine Parabel auf eine Welt, in der Kinder sich selbst überlassen sind und ohne Vorbilder aufwachsen. Eine Parabel auf das Leben in einer Gesellschaft ohne Zukunftsaussichten. Anna ist aber auch eine Hymne an die Kraft der Liebe. Denn so rettungslos die hier geschilderte Welt erscheint, so hell leuchten in ihr immer wieder Zärtlichkeit und pure Lebensfreude auf. Anna zeigt uns, was Menschen auf sich zu nehmen bereit sind, um zu überleben und die Hoffnung in sich nicht sterben zu lassen. Sie ist eine Heldin, der Ammaniti seine ganze Bewunderung schenkt und mit der der große Autor anknüpft an seinen Welterfolg Ich habe keine Angst.


Pressestimmen:

 

»Eines der herausragenden Erzähltalente Italiens.«

(Times Literary Supplement)


»Ammaniti setzt neue Maßstäbe in post-apokalyptischer Literatur.« (The Guardian)


»Anna wurde mit Herr der Fliegen und Die Straße verglichen. [...] Eine zutiefst verstörende und nachdenklich stimmende Lektüre.« (Daily Mail)


»Unübertroffenes Erzählen – eine bewegende Studie über Menschsein und Menschlichkeit.« (Financial Times)


»Ammaniti weiß, wie man Leser fesselt.«

(The Herald)


»Ammanitis Stil ist makellos. Ein geradezu furchterregend guter Autor.«

(The Independent)


»Ein Auto von extremer Vorstellungskraft und moralischer Subtilität.« (Times Literary Supplement)


»Ein grandios in sich zusammenfallendes Sizilien ist der Schauplatz der Ereignisse. Die Brücke von Messina wird für Anna zum Ziel eines erlösenden Exodus.« (La Repubblica)


»Ammaniti Zuneigung zu seinen Protagonisten ist vergleichbar mit der Empathie eines Cormac McMarthys mit seinen Figuren in Die Straße, er beschwört die Stimmung aus William Goldings Herr der Fliegen herauf und die Dekadenz der Walking Dead, allerdings ohne deren Grausamkeiten.« (Corriere della Sera)

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