Rezension: "Rituelle Menschenopfer“ von C. V. Hunt

Bereits nach der schamlosen Einstiegsphase wird ganz deutlich, dass die Autorin kein Blatt vor den Mund nehmen wird. Sie redet so trocken, so boshaft, so abtrünnig über Sex und Gewalt, dass man beim Lesen schon mal ein klein wenig perplex wirken darf. Aber mal ganz ehrlich: Ich fand das Ding großartig. Warum? Weil sie diese abgefuckte Story neben der vulgären Ausdrucksweise, mit unfassbar viel Charme, dreckigem Witz und einer großen Portion Selbstverständlichkeit erzählt hat. Genau diese Kombination aus einerseits ekligen Phasen und wirklich stark geschilderten Handlungsabläufen geben hier der Geschichte einen positiv wirkenden Touch.


Womit ich eigentlich gar nicht gerechnet habe ist die Sachlage, dass „Rituelle Menschenopfer“ (Der Titel ist Programm!) auch auf sprachlicher Ebene wunderbar funktioniert, dass man sogar die grauenvollsten und unvorstellbarsten Szenarien mittels Sprache in ein vorzeigbares Konzept bringen kann. Klar, der Sound ist immer noch rotzig und vulgär gar keine Frage, aber muss der Übersetzer auf den Zug aufspringen und die Wortwahl, den Satzbau absichtlich klobig klingen lassen? Mit Sicherheit nicht. Da ist der Titel von C. V. Hunt genau das richtige Paradebeispiel dafür.!


Aber lasst uns doch mal eben über den Inhalt bzw. über den Aufbau und die Figuren sprechen: Die zentrale Schlüsselfigur in „Rituelle Menschenopfer“ ist ganz klar der aus der Ich-Perspektive erzählende Protagonist, Nick. Der Typ ist so dermaßen unsympathisch, penibel, gewalttätig, boshaft, penetrant und auf seine eigene Art und Weise geisteskrank, dass man eigentlich das Buch nach nur wenigen Kapiteln zuklappen müsste. Um es mit seinen eigenen Worten auszudrücken: „Mir war klar, dass ich ein elender, egoistischer Wichser war, aber damit konnte ich prima leben.“

Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Figur im gängigen Massengeschäft, im Normalfall, ganz schlecht abschneiden würde. Doch was ist beim Festa Verlag denn schon normal? (Das ist überaus positiv gemeint!!!)

Tatsächlich habe ich es so sehr „genossen“, diesen irren Charakter zu begleiten, ihn bei seinen kuriosen Aktionen zu beobachten. Eindeutig: Mit ihm steht und fällt die Geschichte! Doch da sind noch viel mehr Komponenten die die Qualität des Romans unterstreichen: Ein tolles Setting, viele gut ausgearbeitete und nicht minder kranke Nebenfiguren, eine Handlung die kompakt und verständlich auftritt. Doch am stärksten ist die für das Genre recht untypisch gut geführte Sprache. Wie bereits oben erwähnt, wurde sehr viel Wert darauf gelegt, den passenden Ausdruck, die richtigen Worte/Sätze zu finden.


Fazit:


Mittlerweile kann ich die vom Festa Verlag ins Leben gerufene Zufriedenheits-Garantie absolut nachvollziehen. „Rituelle Menschenopfer“ ist nach „Das Leben das wir begraben“, „A Head full of Ghosts“ und „Die Geschichte der Hillary“ der vierte Festa-Titel in Folge, der optisch wie inhaltlich unfassbar professionell daherkommt, extrem unterhaltsam ist und eine wirklich starke Übersetzungsarbeit abliefert. Auch hier haben wir wieder gut ausgearbeitete Handlungsstränge, Figuren die es wert sind, dass man Ihnen Aufmerksamkeit schenkt und jede Menge Irrwege, die sich im Laufe der Story herauskristalisieren. Hinzukommt eine kräftige Portion „Sex“, Gewalt, vulgäre Ausdrucksweisen und merkwürdige Verhaltensmuster aller Charaktere.

Im dritten und letzten Teil der Geschichte setzt C. V. Hunt gewaltig einen oben drauf und lässt noch mehr dreckige Szenen, noch mehr Gewaltorgien, noch mehr Hemmungslosigkeit und noch mehr Körperflüssigkeiten auf die Charaktere einprasseln.


Ich fand‘s auf die eigene Art und Weise abartig großartig!!!


Liebe Leute, einen guten Tipp zum Schluss: Schaltet für die kommenden 320 Seiten euer Schamgefühl und euren Sinn für Normalität gänzlich aus, unterdrückt euren Brechreiz, denn...C. V. Hunt hat beim Schreiben mit Sicherheit dasselbe getan!


Inhaltsangabe:


An dem Tag, als Nick endlich den Mut aufbringen will, Eve um die Scheidung zu bitten, lässt sie eine Bombe platzen: Sie ist schwanger. Nick kocht vor Hass. Wie kann diese Frau sich erdreisten, eigenmächtig über seine Zukunft zu bestimmen? Nun trifft auch Nick ohne Eves Einwilligung eine lebensverändernde Entscheidung: Er kauft in einem kleinen Kaff ein Haus, weit weg von Familie, Freunden und Kollegen. Dort wird Eve ihm ausgeliefert sein … Doch die Bewohner seiner neuen Heimatstadt sind ein bisschen exzentrisch, besonders die Frauen. Und als Nick herausfindet, was wirklich vor sich geht, ist Eve sein kleinstes Problem.

Hast du dich je gefragt, wie sich ein Psychothriller von einer Autorin liest, die keinerlei Hemmungen kennt? Nun, C. V. Hunt zeigt es dir.

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