Rezension: "Die Ermordung des Commendatore“ von Haruki Murakami

Zuallererst möchte ich die Optik des Commendatore kurz in den Vordergrund stellen: Mir ist durchaus klar, dass der Inhalt über die ästhetische Komponenten zu stellen ist, doch was der DuMont Buchverlag (im engeren Sinne das „Designbüro Lübbeke Naumann Thoben, Köln“) hier aus dem Hut gezaubert hat, ist schlichtweg atemberaubend. Fakt ist, dass sich bei dieser Fülle an Novitäten, die Abgrenzung von der Masse als äußerst herausfordernd gestalten dürfte. Da ist es durchaus von Vorteil, mit so einem Schönling um die Ecke zu kommen! Chapeau! 👍


Die Aussage „Haruki Murakami benutzt eine bildhafte Sprache“ trifft - meiner Meinung nach - in jeder einzelnen Faser seiner Erzählung zu: Es gelingt ihm über die gesamte Wegstrecke hevorragend, die leisen Zwischentöne der Geschichte einzufangen, diese auf modene Art darzustellen und den Bezug zur Realität, unser aller Dasein stets durchschimmern zu lassen.

Außerdem kümmert er sich liebevoll um seinen Protagonisten, gibt ihm stets die Möglichkeit innere Monologe zu führen, lässt ihm vor allem genügend Raum und Zeit und stellt dadurch die perfekte Beziehung zum Leser her.

Und obwohl sein in der Ich-Perspektive auftretender Erzähler namenlos bleibt, so hat er dennoch genügend Rückgrat, Ecken und Kanten, sowie jede Menge einprägsame Konturen, um als „ordentlich charakterisiert“ tituliert werden zu können.

WENN man dem Autor etwas vorwerfen kann, dann ist es einzig und allein die Tatsache, dass er sich hin und wieder in detailgetreuen Ausschweifungen verstrickt hat, bzw. sich oftmals eine kleine sexuell-angehauchte Abzweigung genehmigt hat. (In einigen Passagen spürbar) Aber: Mir persönlich hat diese gelassene Gangart viel mehr imponiert als abgestoßen, schließlich hat sie das Wesen der Erzählung kräftig unterstrichen.


Fazit:


Haruki Murakami hat mit „Die Ermordung des Commendatore - Band I“ ein wirklich hinreißende und zugleich beunruhigende literarische „Seifenoper“ geschrieben. Eine Geschichte über die diffizilen Auswüchse der Selbstfindung, die plötzliche Überforderung bei Wiedererlangen des Selbstkontrolle, und er erzählt über die verheerenden Auswirkungen der Einsamkeit. Man könnte es sozusagen als eine Hommage an das Künstlerdasein im Allgemeinen betrachten, eine schlichte Liebeserklärung an die Malerei, mit all ihren Höhen und Tiefen. Eine Parabel. Ein kleines Kunstwerk eben.

Außerdem ist es Murakami meisterhaft gelungen, die Genres so charmant und unaufdringlich zu tauschen, dass einem erst relativ spät bewusst wird, dass man sich plötzlich nicht mehr in einem Drama, sondern in einem subtilen Horrorfilm befindet.

Dass nun der Protagonist über die gesamte Lesedauer inkognito bleibt, ist anfangs tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig, hat sich aber im Laufe der Zeit für mich zu einer interessanten Komponente entwickelt. Es war Murakami schlussendlich nicht wichtig dem Charakter ein Gesicht zu geben, sondern ihn über sein Handeln zu definieren und ihn am Scheitern wachsen zu lassen.


Klare Empfehlung! 


Inhaltsangabe:


Allein reist der namenlose Erzähler und Maler ziellos durch Japan. Schließlich zieht er sich in ein abgelegenes Haus, das einem berühmten Künstler gehört, zurück. Eines Tages erhält er ein äußerst lukratives Angebot. Er soll das Porträt eines reichen Mannes anfertigen. Nach einigem Zögern nimmt er an, und Wataru Menshiki sitzt ihm fortan Modell. Doch der Ich-Erzähler findet nicht zu seiner alten Fertigkeit zurück. Das, was Menshiki ausmacht, kann er nicht erfassen. Wer ist dieser Mann, dessen Bildnis er keine Tiefe verleihen kann? 

Durch einen Zufall entdeckt der junge Maler auf dem Dachboden ein meisterhaftes Gemälde. Es trägt den Titel ›Die Ermordung des Commendatore‹. Er ist wie besessen von dem Bild, mit dessen Auffinden zunehmend merkwürdige Dinge um ihn herum geschehen, so als würde sich eine andere Welt öffnen. Mit wem könnte er darüber reden? Da ist keiner außer Menshiki, den er kennt. Soll er sich ihm wirklich anvertrauen? Als er es tut, erkennt der Ich-Erzähler, dass Menshiki einen ungeahnten Einfluss auf sein Leben hat.

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